Zu unserer Qualifikation

Viele Mitwettbewerber berufen sich in Ihrer Qualifikation auf eine Ausbildung, Weiterbildung, Ernennung zum Sachverständigen. Ich habe mich bisher aus vielen Gründen davon distanziert und betonte unsere Kompetenz im Bereich der Erfahrung. Als ich mit Hundetraining anfing, gab es überhaupt keine Ausbildung zum Beruf des Hundetrainers und dass, was es heute gibt, ist auch von keiner staatlichen Seite anerkannt wie beispielsweise im Gegensatz die Ausbildung zum Tierarzthelfer. Verbände wie beispielsweise die Interessengemeinschaft unabhängiger Hundeschulen, der BHV oder Organisationen wie der bereits aufelösten Pet-group (bei Tierschutz/-rechtsorganisationen war der Begriff „pet“ bereits zu meinen Studiumzeiten 1994-96 in den USA verpönt; companion animal wurde bevorzugt…), BVZ Hundeschulen usw.

Inzwischen bieten viele Hundeschulen ihre Hundetrainerschulungen mit unterschiedlichen Schwerpunkten an. Und dann gibt es noch „das Studium“ (die Hochschulreife ist keine Vorraussetzung, daher in Anführungszeichen) zum Hundepsychologen/Verhaltenstherapeuten, das tendenziell theoretischen Charakter hat und per Fernstudium absolviert werden kann. Diese Auflistung ist nicht vollständig und soll nur Beispiele skizzieren.

Ist die Auflistung von Seminar/Vortragsbesuchen als alleiniges Qualitätsmerkmal ausreichend?

Ich hatte bisher auf unserer Internetseite eben nicht die Seminare, Vorträge und Symposien aufgelistet, die wir besucht haben, um damit eben nicht vorzustellen, wie „gebildet“ wir doch sind. Als Beispiel, dass wir uns selbstverständlich weiterbilden, hier 2011: in diesem Jahr besuchten wir ein Symposium vom BHV, zwei Vorträge von Michael Grewe, Pasquale Piturru und Alexandra Grunow, einen Vortrag von Günter Bloch und Udo Gansloßer und ein Wochenendsemiar über die Schilddrüse und Verhaltensänderungen von Hunden in diesem Zusammenhang. Wer dennoch Wert auf die freiwillig besuchten Weiterbildungen von uns legt, kann über den Link eine Tabelle anschauen, bei der die verschiedenen Fortbildungen unterschiedlichen Bereichen zugeordnet sind.  LINK

Unsere Kompetenz beruht aber eben nicht allein oder überwiegend auf diversen Vorträgen, Seminaren, Workshops etc. Denn wir sind nicht der Auffassung, dass bloß weil wir uns „weiterbilden“, unsere Kompetenz gewährleistet ist. Auch unsere Literaturliste, die man hier im Internet einsehen kann und die nicht auf dem aktuellen Stand ist, da wir noch weitere Bücher erworben haben, sagt nichts über unsere Fähigkeiten aus. Ich selbst, was ich im Internet bisher (bis August 2011) auch nicht zur Schau stellte, habe nicht nur ein Hochschulstudium absolviert, sondern dieses mit einem M.A. in den USA beendet. Auch diese, meine Bildung, die mir zusätzlich ermöglicht doch sehr wohl kritisch mit Begebenheiten umzugehen und „wissenschaftliches“ Arbeiten für mich kein Neuland ist, sagt auch nichts über meine Fertigkeiten aus. Eben aufgrund meiner „Bildung“ meine ich, dass es sehr wohl wichtig ist, mit Hunden umgehen zu können, ihr Verhalten deuten zu können und entsprechend zu reagieren.

Sind Erfahrung und tagtäglicher intensiver Umgang mit vielen Hunden in kommunikativer Art und Weise nebensächlich?

Die Erfahrung spielt eine nicht zu unterschätzende Rolle und das ist der Grund, warum ich eben genau das Zusammenleben mit vielen Hunden betone und eben nicht eine Liste von Seminaren oder Dozenten aufliste. Dieses Zusammenleben mit eben nicht nur 2 oder 3 Hunden, sondern in der meisten Zeit mit 6 bis 9 Hunden, mit unkastrierten Rüden, wovon 2 noch dazu Brüder waren, das Zusammenleben mit verhaltensauffälligen Hunden aus dem Tierheim, mit eben ganz verschiedenen Problematiken, und auch das Zusammenleben mit diesen vielen Hunden und 4 Kleinkindern gab uns eine umfangreiche Erfahrungsbasis. Diese Basis wurde zum einen im Ausführservice mit freilaufenden Hunden, die auch abrufbar sein müssen allein schon aus Rücksichtnahme für andere Waldbesucher, aber eben nicht die ganze Zeit „bei Fuß“ laufen müssen, um Kontrolle zu wahren, sondern spielen, rennen, im Wasser herumtollen dürfen und sollen, ausgebaut und intensiviert durch Einzeltrainings- und Gruppenstunden mit individuellen Hunden und Haltern.

Wie oft hatten wir schon Anfragen von Verhaltenstherapeuten, die im Fernstudium Ihre Kenntnisse erworben haben mit viel Theorie, die auch sehr sinnvoll ist, aber ohne oder mit spärlicher Praxis, ob sie nicht bei uns Erfahrungen sammeln können… Warum? Weil wir mit Hunden aufgewachsen sind und 3 bis 4 Bücher gelesen haben?

Jetzt gibt es immer mehr Zertifizierungen auf dem Markt, die unterschiedliche Kriterien haben und unterschiedliche Preise. Der Markt boomt auch in dem Bereich. Und auch Veterinärämter haben doch recht unterschiedliche Verfahrensweisen. Z.B. hörte ich von einer Prüfung – soll laut Gesetz eigentlich ein Fachgespräch sein, aber auch nur, wenn Zweifel an der Kompetenz bestehen – bei der eine Videoaufzeichnung von einem kleinen Hund und einer Halterin zu sehen ist auf die ein größerer Hund zu rennt. Tatsächlich soll doch der prüfende Hundetrainer die Auffassung gehabt haben, dass der kleine Hund von der Halterin hochzunehmen sei und auch dass ein vor Sylvesterknallern ängstlicher Hund grundsätzlich zu streicheln wäre… Die Amtsveterinärin sah das vernünftigerweise (in meinen Augen) zum Glück anders! Trotzdem bestand der Prüfling nicht! Soviel zu unterschiedlichen Auffassungen und Bewertungen.

Sachverständiger vom Senat: in jedem Fall eine besondere Leistung?

Eine Anmerkung zum Titel des „vom Senat anerkannten Sachverständigen“: Es gab Zeiten, nämlich als die „sogenannte Kampfhundeverordnung“ aktuell wurde und der Senat händeringend „Sachverständige“ suchte, in denen manche Hundetrainer im passenden Moment einen Brief mit ihren Erfahrungen und ein paar Kopien von Weiterbildungen und Empfehlungen „Ihres“ Tierarztes an den Senat eine Bewerbung schrieben, und diese dann ohne jegliche Prüfung oder gar persönliches Gespräch dann den Titel eines Gutachters einfach per Post erhalten konnten. Udo Gansloßer kritisierte bei seinem Vortrag in Mahlow mit Günter Bloch zu diesem Thema die Hundetrainer, die sich um die Position des Sachverständigen gerissen haben, eben Hundehaltern und Hunden den Sachkundenachweis und den Wesenstest als Sachverständige abnehmen zu wollen. Ich konnte und wollte es nicht, da ich weder die Inhalte vertreten konnte, noch über das Leben von Hunden richten wollte. In Zusammenhang mit der „Kamfphundeverordnung“ wollte ich nur eins, Hunden und Haltern das Werkzeug in die Hand geben, um den praktischen Teil des Sachkundenachweises bestehen zu können. Schon öfter wurde ich angesprochen, doch Sachverständige zu werden und ich lehne es bis heute ab, auch wenn es toll klingen mag: sich mit „vom SENAT anerkannter SACHVERSTÄNDIGER“ zu titulieren, toll für den Hundehalter, für Wissenschaftler wie Udo Gansloßer nicht.

Theorie kann jeder lernen, Bücher lesen auch, Seminare besuchen und Vorträge anhören ebenso, aber praktische Erfahrungen kann nicht jeder aufweisen. Sollte es jemals den Beruf des Hundetrainers mit „staatlicher Ausbildung“ geben, so sollte dies ein praktischer Lehrberuf sein und eben nicht ein „Studium“, und das sage ich als „Studierte“.